Josef Kardinal: Der Herr der Kugeln

1984 hat er seine erste Schneekugel geschenkt bekommen – heute hat er 8000 in seiner Sammlung – mit mehreren Einträgen im Guiness-Buch der Rekorde. Schneekugelhaus hat den Sammler Josef Kardinal besucht.

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In drei Kellerräumen auf meterlangen Regalen stehen die Schneekugeln – thematisch sortiert. Hier die Kunstthemen, daneben Werbeschneekugeln und dann natürlich die bekannten Disney-Kugeln.
„Als ich die erste von einem befreundeten Ehepaar geschenkt bekam, hielt ich es für einen Scherz“, erklärt der passionierte Sammler, der im wahren Leben Finanzbeamter ist. „Denn ich bin ein großer Fan von moderner Kunst und hielt diese Schneekugel für ziemlichen Kitsch.“
Deshalb stellte er sie erst einmal auf dem Klavier ab. Und damit begann alles. Denn andere Freunde gingen nun davon aus, dass er die Kugeln sammle und schenkten ihm ebenfalls welche. „Und irgendwann habe ich dann Gefallen daran gefunden und mit dem Sammeln begonnen“.
Heute hat er mit 8000 Exemplaren die größte Schneekugelsammlung weltweit. „Mir kann es nicht kitschig genug sein“, grinst er und geht durch seine Regale. Mittlerweile ist er die Koriphäe zum Thema Schneekugeln. Er hat bereits verschiedene Ausstellungen mit Museen organisiert. Und manchmal ruft auch ein Regiseur an, der eine bestimmte Kugel für einen Film braucht.
Seine älteste Schneekugel ist von 1890 – mit dem Pariser Eifelturm darin. Doch ob das die erste Schneekugel war? „Ich vermute, dass der Vorläufer der Schneekugel der bayerische Suppenbrunzer ist.“
Darunter versteht man in der niederbayerischen Region ein religiöses Kunstobjekt, das eine Heiliggeisttaube in einer Glaskugel darstellt. Der offizielle Name diess Objekts heißt denn auch Heiliggeistkugel. Diese hingen im 19. Jahrhundert als Symbole tiefer Volksfrömmigkeit in jedem Haus. Häufig über dem Esstisch, was ihnen in der Region dann den deftigen Namen „Suppenbrunzer“ einbrachte. Denn der heiße Suppendampf setzte sich an der kalten Kugel nieder und das Wasser tropfte in die Suppenschüssel zurück. Das bedeutete dann „ein gesegnetes Mahl“.
Gerade hat er seinen halbjährlichen Nachfüll-Marathon hinter sich. Denn alle paar Monate beginnt er mit dem Nachfüllen des destillierten Wassers, da dieses in manchen Kugeln verdunstet. Damit ist er dann die bis vier Wochen beschäftigt und hat dann mehr als 20 Liter destilliertes Wasser verbraucht.
Immer noch ist er auf der Suche nach neuen Schneekugeln. Die aktuellste Errungenschaft wird – so wie die erste – auf das Klavier gestellt.

Aktualisiert am 4. September 2009

2 Kommentare »

  1. Shopping im Schneekugelhaus: Der Herr der Kugeln spricht…

    Mangelndes Kundenvertrauen in Shops ist nach wie vor einer der häufigsten Konversions-Killer im deutschen E-Commerce. Dabei lässt sich doch gerade über Bewegtbilder im Online-Handel so einfach Transparenz und Vertrauen schaffen. Markus Kobelt beispiels…

    Trackback von twive! — 11. September 2009 @ 10:36

  2. [...] Josef Kardinal ist der weltgrößte Schneekugelsammler. Ich war bereits bei ihm und habe ein Interview gemacht. Jetzt hat er seine 8000. Kugel von der Firma Walter & Prediger erhalten. Walter & Prediger hat eine limitierte Auflage von 10 Stück hergestellt – und eine davon darf ich jetzt auch meiner eigenen Schneekugel-Sammlung zuführen. Hier seht Ihr sie! Das Interview mit Josef Kardinal und einen Einblick in seine Sammlung findet Ihr hier. [...]

    Pingback von 8000. Kugel aus der Kardinalsammlung – Schneekugelhaus-Blog — 6. Juni 2010 @ 13:22

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